Samariterweihnacht

Samariter Weihnachtsfeier

Die Beisitzer Erika Kropf und Iwan Berger organisierten die Weihnachtsfeier im Käsereilokal und die Mitglieder erhielten eine spezielle Einladung.
Ein festlich geschmücktes Lokal mit vielen Köstlichkeiten erwartete die Samariterschar.
Zwischen singen, musikalisch begleitet von Brigitte Kropf, plaudern und Kulinarischen Genüssen wurden uns zwei Weihnächtliche Geschichten vorgelesen von Erika Kropf, eine davon ist hier zum lesen und schmunzeln.
Wie immer ist der Höhepunkt die Päckli und die ausgetauschten Geschenke bereiten viel Freude, es gab viel zu lachen und zu bestaunen.
Für diesen besinnlichen und fröhlichen Abend danken wir allen Beteiligten herzlich.

Wir wünschen allen schöne Weihnachtstage und ein gesundes frohes 2013.





Wie man zum Engel wird

Wie jedes Jahr sollte auch in diesem die sechste Klasse das weihnachtliche Krippenspiel
aufführen. Mitte November begann Lehrer Larssen mit den Vorbereitungen.
Thomas, der für sein Alter hoch aufgeschossen war und als Ältester von vier Geschwistern häufig ein ernstes Betragen an den Tag legte, sollte den Joseph spielen.
Tinchen, die lange Zöpfe hatte und veilchenblaue Augen, wurde einstimmig zur Maria
gewählt und so ging es weiter bis alle Rollen verteilt waren, bis auf die des engherzigen
Wirts, der Maria und Joseph von seiner Türe weisen sollte. Es war kein Junge mehr übrig.
Die beiden Schülerinnen, die ohne Rolle ausgegangen waren, zogen es vor, sich für wichtige Arbeiten hinter der Bühne zu melden.
Joseph, alias Thomas, hatte den rettenden Einfall. Sein kleiner Bruder würde durchaus
In der Lage sein, diese unbedeutende Rolle zu übernehmen, für die ja nicht mehr zu lernen war als ein einziger Satz, nämlich im rechten Augenblick zu sagen, dass kein Zimmer frei sei. Also erschien Thomas zur nächsten Probe mit Tim an der Hand, der keinerlei Furcht zeigte. Er wollte den Wirt gerne spielen. Mit Wirten hatte er gute Erfahrungen gemacht, wenn die Familie in die Ferien verreiste. Er bekam eine blaue Mütze auf den Kopf und eine Latzschürze umgebunden; die Herberge selbst war, wie alle anderen Kulissen noch nicht richtig fertig. Tim stand also mitten auf der leeren Bühne und es fiel ihm leicht zu sage , nein, er habe nichts, als Joseph ihn drehbuchgetreu nach einem Zimmer fragte. Wenige Tage darauf legt Tim sich mit Masern ins Bett und es war reines Glück, dass er zum Aufführungstag gerade noch rechtzeitig wieder auf die Beine kam.
In der Schule herrschten Hektik und Feststimmung, als er mit seinem grossen Bruder eine Stunde vor Beginn der Weihnachtsfeier erschien. Auf der Bühne hinter dem zugezogenen Vorhang blieb er überwältigt vor der Attrapppe seiner Herberge stehen: sie hatte ein vorstehendes Dach, eine aufgemalte Laterne und ein Fenster das sich aufklappen ließ.
Die Vorstellung begann. Joseph und Maria betraten die Bühne, wanderten schleppenden Schrittes zur Herberge und klopften an. Die Fensterläden öffneten sich und heraus schaute Tim unter seiner grossen Wirtsmütze. „ Habt ihr ein Zimmer frei? „ fragte Joseph mit müder Stimme. „ Ja, gerne „, antwortete Tim freundlich.
Schweigen breitete sich aus dem Saal und erst recht auf der Bühne. Joseph versuchte vergeblich, irgendwo zwischen den Kulissen Lehrer Larssen mit einem Hilfezeichen zu entdecken. Maria blickte auf ihre Schuhe. „ Ich glaube Sie lügen“, entrang es sich schliesslich Josephs Mund. Die Antwort aus der Herberge war ein unüberhörbares
„ Nein“ .
Das die Vorstellung dennoch weiterging, war Josephs Geistesgegenwart zu verdanken. Nach einer weiteren Schrecksekunde nahm er Maria an der Hand und wanderte ungeachtet des Angebotes weiter zum Stall. Hinter der Bühne waren inzwischen alle mit dem kleinen Tim beschäftigt. Tim erklärte, dass Joseph eine so traurige Stimme gehabt hätte, da hätte er nicht Nein sagen können, und zu Hause hätten sie auch immer Platz für alle, notfalls auf der Luftmatratze.
Herr Larssen zeigte Mitgefühl und Verständnis. Dies sei eine Geschichte, erklärte er, und die müsse man genauso spielen, wie sie aufgeschrieben sei- oder würde Tim zum Beispiel seiner Mutter erlauben, dasselbe Märchen einmal so und dann wieder ganz anders zu erzählen, etwa mit einem lieben Wolf und einem bösen Rotkäppchen? Nein, das wollte Tim nicht, und bei der nächsten Aufführung wolle er sich Mühe geben, ein böser Wirt zu sein.
Die zweite Aufführung fand im Gemeindesaal der Kirche statt. Unter ärgsten Androhungen hatte Thomas seinen kleinen Bruder eingebläut, dieses Mal auf Josephs Anfrage mit einem klaren „ Nein“ zu antworten. Der grosse Saal war voll bis zum letzten Sitzplatz. Dann ging der Vorhang auf, das heilige Paar erschien und wanderte – wie es aussah etwas zögerlich – auf die Herberge zu. Joseph klopfte an die Läden, aber es blieb still. Er pochte erneut, aber sie öffneten sich nicht. Maria entrang sich ein Schluchzen.
Schliesslich rief Joseph mit lauter Stimme „ Hier ist wohl kein Zimmer frei?“ In die Stille, in der man eine Nadel hätte fallen hören, ertönte ein leises, aber deutliches „Doch“.
Für die dritte und letzte Aufführung des Krippenspiels in diesem Jahr wurde Tim seiner Rolle als böser Wirt enthoben. Er bekam Stoffflügel und wurde zu den Engeln in den Stall versetzt. Sein „Halleluja“ war unüberhörbar, und es bestand kein Zweifel, dass er endlich am richtigen Platz war.



Ruth Schmidt- Mumm

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